Bauwerke

Schleuse Wernsdorf, Spree-Oder-Wasserstraße km 47,60

 

Die heutige Südkammer der Schleuse Wernsdorf wurde mit Schleusenhaus 1887/88 erbaut und 1891 in Betrieb genommen. Aufgrund der erheblichen Fallhöhe wurde zum Oberwasser hin anstelle eines Stemmtores zum ersten Mal in Europa ein in Amerika entwickeltes Drehtor (Tumble Gate) eingebaut, das bei den Schleusungen auf- und niedergelegt wird. 1892 wurden 629.000 Tonnen geschleust, 1906 bereits 3,1 Millionen. Um die Wartezeiten zu verkürzen, wurde 1904 die Nordkammer mit einer Torweite von 8,10 m und einer Länge von 55,00 m

errichtet. Für das Füllen und Leeren der Kammer wurden eine Heberanlage sowie Längsumläufe mit Stichkanälen eingebaut. Im Oberhaupt kam ein Klapptor und im Unterhaupt ein Stemmtor zum Einsatz. Die Zweitanlagen bewirkten wiederum ein weiteres Ansteigen der Transporte. Eine Überbeanspruchung von Kanal und Schleusen war die Folge. Um eine Verlängerung der nutzbaren Kammerlänge auf 67,50 m zu erreichen, wurde 1929 das Stemmtor im Unterhaupt der Südkammer durch ein Hubtor ersetzt und der Oberdrempel um 1,40 m verkürzt.

Da die Abmessungen der beiden bestehenden Schleusenkammern für den Verkehr von Schubverbänden und 115 m-Schiffen ungünstig waren, erfolgte nach der Wieder-vereinigung Deutschlands als erste größere Baumaßnahme am Oder-Spree-Kanal der Ausbau der Schleuse. Seit dem 21. November 2006 ist die auf 115 m verlängerte Kammer für den Verkehr freigegeben.

 

Nutzbare Abmessungen:

 

Nordkammer L x B: 115,00m x 9,40m (seit 2006)

Südkammer L x B: 67,50m x 8,60m (außer Betrieb)

Hubhöhe: 4,51m

 

Schleuse und Wehr Fürstenwalde, Spree-Oder-Wasserstraße km 74,75

 

Auf Veranlassung von Kurfürst Johann Georg wurde aus dem 1298 erstmals erwähnten Fürstenwalder Mühlenstau 1588 eine Stauschleuse. Über diese wurde der Schiffsverkehr bis zur „Frankfurter Niederlage“ am Kersdorfer See möglich. Von hier erfolgte der Transport über Land nach Frankfurt zur Oder.

1738 und 1833 entstanden zwei Schleusenneubauten im Bereich zwischen dem heutigen Wehr und der Nordschleuse. Die jüngere wurde mit versetzten Häuptern gebaut, so dass gleichzeitig zwei Schiffe mit 40,20 m Länge und 4,60 m Breite geschleust werden konnten. Diese Abmessungen gingen 1845 als das erste standardisierte Binnenschiffmaß in die Geschichte ein. 1836/38 ließ die Königliche Wasserbau-Inspektion eine Erneuerung von Freiarche und Wehr durchführen, um Wasserhaltung, Schiffbarkeit und Eisabführung zu garantieren. Ein neues Wehr wurde 1890 und die jetzige Nordschleuse Fürstenwalde 1891 mit einer nutzbaren Länge von 65 m gebaut. 1912-1914 folgte dann die breitere Südschleuse. Beide Schleusen werden durch Stemmtore an Ober- und Unterhaupt geschlossen. Die Füllung und Entleerung erfolgt mit Rollkeilschützen in Torumläufen. Die Häupter, die Sohlen, sowie Teile der aufgehenden Kammerwand sind aus Beton, der teilweise mit Stahl bewehrt ist, gefertigt. Der obere Teil der Kammerwände besteht aus Mauerwerk.

1996 wurde das neue Wehr Fürstenwalde in Betrieb genommen. Das neue Wehr besitzt drei Wehrfelder mit je 2 Schütztafeln, die automatisiert je nach Wasserstand gefahren werden.

 

Nutzbare Abmessungen:

 

Nordkammer L x B: 67,60m x 8,54m

Südkammer L x B: 67,70m x 9,40m

Hubhöhe: 0,93m

 

Schleuse und Wehr Große Tränke, Spree-Oder-Wasserstraße km 68,75 und km 69,05

 

Am 18. Oktober 1887 erfolgte bei Große Tränke die Grundsteinlegung für den Bau des Oder-Spree-Kanals. 1891 wurde der 87,7 km lange Kanal eröffnet. Die Schleuse Große Tränke mit einer nutzbaren Länge von 55,00 m sollte bei starker Wasser-führung der Spree Schleppschifffahrt auf der Strecke Wernsdorf-Große Tränke ermöglichen. Das in der Müggelspree errichtete Wehr diente dazu, bei niedrigem Spreewasser die Strecke Große Tränke-Fürstenwalde schiffbar zu halten.

1904 entstand unmittelbar neben der Schleuse eine zweite. Diese hatte einen weiteren Anstieg von Schiffen zur Folge. 1929 wurden die Stemmtore im Unterhaupt der Südschleuse durch ein Hubtor ersetzt; die nutzbare Länge betrug nun 67,50 m. Seit den 1950er Jahren war der Betrieb der Anlage eingestellt. Obwohl der Wasserstand ausgeglichen und die Schleusentore ganzjährig geöffnet waren, mussten die Schiffe durch die nur 9,60 m breite Nordkammer navigieren. Zur Erleichterung der Schifffahrt wurden 2004 die längste überflüssige Schleusenan-

lage und die desolate Schleusenbrücke zurückgebaut.

Eine neue Brücke überspannt nun ohne störende Pfeiler die 40 m breite Öffnung für die Schifffahrt. Im Dezember 1997 wurden ein neues Wehr mit drei Wehrfeldern und die Bootsschleppe für muskelbetriebene Sportboote in Betrieb genommen. Zur Ermöglichung von Fischwanderungen zu Laich- und Nahrungsplätzen errichtete der Wasser- und Landschaftspflegeverband "Unterer Spree" umläufig zum Wehr einen Fischpass.

 

Nutzbare Abmessungen vor dem Rückbau:

 

Nordkammer L x B: 59,40m x 9,60m

Südkammer L x B: 67,50m x 8,53m

Hubhöhe: 0 – 1,35m (vom Hochwasser der Spree abhängig)

 

Schleuse und Pumpwerk Neuhaus, Neuhauser Speisekanal km 2,7

 

Im 17. Jahrhundert ließ der Große Kurfürst den sogenannten „Neuen Graben“ oder „Müllroser Canal“ bauen, der später Friedrich-Wilhelm-Kanal genannt wurde. 1668 war die erste schiffbare Verbindung zwischen Spree und Oder vollendet. Mit dem Bau des Oder-Spree-Kanals ab 1887 wurde das Teilstück zwischen Neuhaus und der Buschschleuse zum Speisekanal ausgebaut. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung des Oder-Spree-Kanals erfolgte 1892 in Neuhaus ein Schleusenneubau. Errichtet wurde eine Kammer mit Stemmtoren im Unter- und Oberhaupt. Sohle und Kammerwände bestehen aus Mauerwerk auf Holzpfählen mit Bohlenbelag. Gleichzeitig entstand unmittelbar neben der Schleusenkammer das Pumpwerk Neuhaus mit einer Pumpleistung von 2,7 m³/s, das am 18.Mai 1902 in Betrieb ging. Da sich die konzipierte Pumpenleistung als unzureichend erwies, wurde später die Kapazität des dampfbetriebenen Pumpwerks auf 7 m³/s gesteigert. Der Entzug von Spreewasser führte allerdings in Niedrigwasserzeiten zu Schwierigkeiten in der Wasserversorgung Berlins, da ein Teil des hochgepumpten Wassers bei Schleusungen auch zur Oder abgegeben wurde. 1916/17 entstand deshalb zusätzlich das Pumpwerk Fürstenberg/Oder.

Die im Oberwasser befindliche Klappbrücke wird durch das Schleusenpersonal bedient. Bevor ein Schiff von oberhalb in die Schleuse einfahren, bzw. ins Oberwasser ausfahren will, muss die Klappbrücke geöffnet werden.

 

Nutzbare Abmessungen:

 

L x B: 41,90m x 9,38m (Torweite 5,30m)

Hubhöhe: 0,90-1,20m (je nach Wasserstand der Spree)

Schleuse Kersdorf, Spree-Oder-Wasserstraße km 89,73

 

Die Schleuse Kersdorf wurde 1891 als Einkammerschleuse (heutige Südkammer) mit einer nutzbaren Länge von 55 m in Betrieb genommen. 1914 folgte dann die Nordkammer. Beide Kammern wurden im Oberhaupt mit Klapptoren, im Unterhaupt mit Stemmtoren ausgerüstet. 1928 wurde das Stemmtor der Südkammer durch ein Hubtor ersetzt. Durch diese kostengünstige Maßnahme konnte die Schleuse 65m-Schiffe aufnehmen. Die Füllung erfolgte mittels einer Vakuumanlage und Heberanlagen nach dem Prinzip Hotopp. Das Füllwasser wurde aus dem Oberwasser angesaugt; die Entleerung erfolgte mit Torumläufen bzw. Torschützen.

Im Ergebnis verschiedener Voruntersuchungen wurde ab 2009 die Nordkammer grundhaft instandgesetzt und in Richtung Osten verlängert. Die Kammer erhielt eine nutzbare Länge von 115 m, die Breite von 9,80m wurde beibehalten. Für die Grundinstandsetzung wurden die maroden Schleusenkammerwände teilweise abgebrochen und neu aufbetoniert. Die Verlängerung erfolgte dann in Spund-wandbauweise. Das alte Oberhaupt wurde durch einen nach Osten verschobenen Neubau ersetzt und mit einem Drehsegmenttor ausgerüstet.

Oberer und Unterer Vorhafen wurden entsprechend der verlängerten Schleuse ausgebaut und erhielten je eine Warte- und Koppelstelle für die Berufsschifffahrt

sowie gesonderte Wartestellen für Sportboote.

Am 05.09.2013 wurde die Nordkammer dem Verkehr übergeben.

 

Nutzbare Abmessungen:

 

Nordkammer L x B: 115m x 9,80m (seit 2013)

Südkammer L x B: 67,50m x 8,50m

Hubhöhe: 2,38m

 

Zwillingsschachtschleuse Eisenhüttenstadt, Spree-Oder-Wasserstraße km 127,3

 

1889 wurde als Abstieg zur Oder eine dreistufige Schleusentreppe mit Oberer, Mittlerer und Unterer Schleuse südlich der Stadt Fürstenberg/Oder errichtet. Die drei Schleusen mit jeweils 55,00 m und 9,60 m Breite (8,50 m Torbreite) wiesen Fallhöhen von je 4,40 m auf. Der Verkehr entwickelte sich rasant. Zwischen 1903 und 1906 wurden - wie zuvor in Wernsdorf und Kersdorf – unmittelbar neben den schon bestehenden zweite Schleusenkammern errichtet.

Die Doppelanlagen zogen wiederum noch mehr Schiffe über Finowmaß nach sich. Um den Verlust an Zeit und Wasser zu minimieren, entschloss sich 1921 das Reichsverkehrsministerium, den Übergang vom Kanal hinab zur Oder völlig neu zu gestalten. Mit dem Bau der Zwillingsschachtschleuse wurde am 1. August 1925 begonnen. Sie ist auf einer etwa 20 m unter Gelände befindlichen Tonschicht gegründet.

130.000 m³ Gußbeton und 6.000 t Stahleinlagen waren für den Bau der Schleuse, einschl. Vorhäfen erforderlich. Am 1. 11. 1929 wurde die Schleuse dem Verkehr übergeben. Eine besondere Betriebsart spart 50 Prozent Wasser gegenüber Einzel-schleusungen: in der Regel steht eine Kammer auf Oberwasser,

die andere auf Unterwasser. Beim Schleusen wird gleichzeitig in einer Kammer herauf (zu Berg) und in der anderen hinab (zu Tal) geschleust. Hierbei wird zuerst der Wasserspiegel in beiden Kammern durch Verbindungskanäle ausgeglichen. Anschließend wird dann die eine Kammer nach dem Unterwasser entleert, die andere aus dem Oberwasser gefüllt.

 

Nutzbare Abmessungen:

 

Nordkammer L x B: 130m x 12m

Südkammer L x B: 130m x 12m

Hubhöhe:bei HSW der Oder 9,07m

bei NSW der Oder 14,28m

 

Luftbild Große Tränke, Urheber: Ulrich Gerwin
1928_Nordkammer Fürstenwalde
Luftbild Fürstenwalde, Urheber: Ulrich Gerwin
1905 Bau Sparbecken Schleuse Kersdorf
Luftbild Schleuse Kersdorf, Urheber. Ulrich Gerwin
1900 Pumpwerk Neuhaus
Luftbild Schleuse Neuhaus, Urheber:Ulrich Gerwin
1929_Schachtschleuse
Luftbild, Urheber: Ulrich Gerwin